Heute ist in Bayern wieder Tag der Einschulung und für mich ist es einer der schlimmsten Tage des Jahres.
Eine Schultasche oder Schultüte löst in mir einen Krampf im Bauch aus.
Mein Herz schmerzt. Alles in mir zieht sich zusammen.
Viele Menschen können es nicht verstehen, machen mir deshalb sogar Vorwürfe – ob ich mich nicht mit den Kindern freue.
Ich verstehe all diese Vorfreude-Hype um Schule nicht. Die Tüte voll mit Spielzeug und Zucker. Der vollkommen überteuere Schulranzen, mit Turnbeutel und Geldbeutel.
Die viele Fotos von Eltern und Omas, die feiern – obwohl ich den meisten Freude an der Stelle nicht abnehme.
Ich weiß, „man“ macht das so. Dem Kind den Schulstart erleichtern, bloß nicht negativ über die Schule sprechen, es ermutigen dorthin zu gehen.
Hat sich jemals jemand gefragt, was es mit einem Kind macht, wenn es so mit Freude in etwas gepusht wird, was eigentlich zutiefst gegen seine Natur geht?
Wenn es nach einigen Wochen feststellt: „Oh, das gefällt mir gar nicht und es tut mir auch überhaupt nicht gut.“
Dann kann es doch nur noch bei sich den Fehler suchen, oder?
Wenn alle Erwachsenen sich so sehr darauf gefreut haben, dass es da hin geht.
Wenn Mama und Papa es gut finden (oder halt das sagen), dann muss es doch glauben, selbst das Problem zu sein.
Ich glaube Ehrlichkeit wäre an der Stelle angebracht.
Einfach mal zugeben, wenn ich als Mama oder Papa das gar nicht gut finde.
Denn viele geben die Kinder ja nur zur Schule, weil es ein Gesetz verlangt oder man es halt einfach so macht. Nicht weil sie glauben, dass es das beste ist was es gibt.
Ich finde ja, es ist ein ganz schön veraltetes System, längst nicht mehr zeitgemäß – war es wohl nie.
Es beruht auf starker Belohnung- und Bestrafung und auf Zwang.
Die einen kommen besser damit zurecht, andere gar nicht.
Es gibt viele Diagnosen zu Schulverweigerung, ADHS, Bindungs- und Trennungsängsten.
Mir wird übel, wenn ich darüber schreibe.
Wer diagnostiziert eigentlich endlich einmal dieses Schulsystem? Verschreibt ihm Medikamente und Therapien?
Es hat offensichtlich stark narzisstisches Tendenzen und basiert auf Bindungs- und Trennungstrauma.
Mal ganz ehrlich?
Wer findet es denn wirklich gut, dass kleine Kinder mit sechs Jahren an kleinen Tischen und Stühlen sitzen und von nun an für die nächsten zehn Jahre – ihre komplette restliche Kindheit – in Hefte schreiben sollen, Texte lesen, Formeln berechnen. Geschichte, Biologie, Erdkunde in sich hineinpressen?
Mein Herz schmerzt, darum dass es eine Einrichtung gibt, die – vermutlich ganz unbewusst – Menschen Kreativität und natürliche Nervensystemregulation aberzieht und an deren Stelle Leistungs- und Anpassungsdruck stellt.
Ich kenne die Ursprünge und Geschichte der Schule, ich war selbst dort – kann mich noch sehr lebhaft erinnern. Hab meine Kinder – die nun schon erwachsen sind – eingeschult.
Und habe eines Tages von einer Schulpsychologin folgende Aussage bekommen:
„Frau Frank, wir wissen alle, dass das deutsche Schulsystem nicht das beste ist. Ich rate ihnen das Land zu verlassen. An der Grenze zu Deutschland – im Ausland – leben viele sich frei bildende Familien“
Das haben wir damals getan und ich bereue nur eines: Es nicht früher getan zu haben. Und ja meine Kinder haben heute Schulabschlüsse.
Ich feiere heute also nicht Einschulung für kleine Kinder.
Feiere nicht, dass sie von nun an lernen müssen sich von ihrer Körperintelligenz zu trennen um Algebra und später Physik zu lernen (Krippe und Kindergarten leisten da schon gute Vorarbeit).
Ich sitze heute in Stille. Fühle mit all jenen, die nicht im Schulsystem zu recht kommen. Die sich nur schlecht anpassen können.
Die darunter leiden und vielleicht sogar Therapie dafür verschrieben bekommen.
Mich betrifft es nicht mehr direkt, aber all die kleinen Menschleins mit Schultaschen und -Tüten zu sehen, wie sie zum ersten Mal in die Massenmenschhaltung laufen – tut mir weh.
An alle Eltern da draußen, die betroffen sind und es spüren: Es gibt Alternativen, es gibt Beratungsstellen und manchmal ist sogar Auswandern die bessere Wahl.
Es sind nicht die Kinder, die ein Problem haben. Die spüren sich noch!
Das Problem liegt in unserer Gesellschaft. Ich weiß, dass es schmerzhaft sein kann und überfordernd an der Stelle hinzusehen. Aber es tut auch gut, es befreit.
Es ist Zeit, dass sich was dreht.
Kinder sind unschuldige Wesen. Wir opfern sie einem System, dass nur sehr wenigen dient.
Wir alle sind dieses System und nur gemeinsam haben wir es in der Hand etwas zu ändern.
Ich sage nicht Nein zur Bildung – ganz im Gegenteil. Ich sage ja zu freien Bildungsorten an denen junge Menschen – gemeinsam mit älteren – ihrem ureigenen Bauplan folgen können und dürfen.
Ich sage Nein zu einer Zwangsbeschulung und wünsche mir aus ganzem Herzen mehr Orte an denen Kinder frei und selbstbestimmt aufwachsen dürfen.
Ich wünsche mir – von ganzem Herzen – eine Veränderung. In Zeiten von Smartphones, Laptops, YouTube, KI und Google brauchen wir diese Gebäude doch längst nicht mehr.
Ich könnte noch tausend Sätze dazu schreiben, wie lernen eigentlich funktioniert und was junge Nervensysteme wirklich brauchen um gesund zu wachsen.
Aber ich lass es an der Stelle sein.
Gehe in die Stille, gehe tanzen, wenn heute um acht Uhr viele kleine Menschleins zum ersten Mal auf einen dieser harten Stühle sitzen. Zum ersten Mal ihr Federmäppchen rausnehmen und voller Stolz von Eltern und Lehrern angegrinst werden.
Halte mein eigenes inneres Schulkind ganz dolle fest, dass gerade laut schreiend auf die Straßen rennen will und schreien:
„Ja seht und spürt ihr es denn nicht?“
Doch statt dessen halte ich mich an die Worte von Astrid Lindgren:
„Ob Plutimikation oder Division – an so einem Tag soll man sich überhaupt nicht mit „ions“ beschäftigen“. Sagte Pippi „oder es müsste Lustifikation heißen“
Die Lust am Leben, an Kreativität, an Musik und Ausdruck.
Alle Erwachsenen suchen sie – ob nun bewusst oder unbewusst – und erziehen sie gleichzeitig den jungen Menschen ab.
Ein komisches System, in dem wir alle mehr oder weniger Opfer waren und die ursprünglichen Täter schon vor vielen hunderten Jahren verstorben.
Wir führen es nur alle gemeinsam fort.
Deshalb gedenke ich heute den Opfern dieses Systems – uns allen. Die wir hoffentlich – nach viel Therapie und Traumaarbeit uns unsere Spiritualität und Kreativität zurück geholt haben.
Auf dass wir es nicht mehr weiter geben an die nächste Generation, sondern nutzen um neue Orte und Systeme zu kreieren 
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